|
Projekt: Philosophieren mit Kindern und Jugendlichen
Das
Projekt „Philosophieren mit Kindern und
Jugendlichen“ wurde von HD. Dr. Karen Joisten an der Gutenberg Universität
Mainz, im Herbst 2006 ins Leben gerufen. Nach den interessanten und
inspirierenden Vorträgen zum Kindsein, zur Kinder- und Jugendliteratur,
Literatur zum Philosophieren mit Kindern, zum Philosophieren in einer
Schulklasse, waren einige Teilnehmerinnen aktiv unterwegs zu Kindern, um mit
ihnen zu philosophieren.
Ein Erzählbericht:
Zum ersten philosophischen
Treffen mit der Klasse 4b aus einer Mainzer Grundschule bereiteten wir ein methodisch ausgearbeitetes Konzept
zur Herangehensweise an das Thema Freundschaft vor. Die Kinder haben eine
Bilder-Geschichte zu Freundschaft vorgelesen bekommen, mit eingesetzten
Unterbrechungen zur Hinführung von Fragestellungen. Dann durften sie alle
Begriffe und Dinge sagen, die ihnen zur Freundschaft einfielen. Dem Feedback
zufolge, machte es ihnen viel Spaß, die an der Tafel gesammelten Begriffe des
Freundschaftsnetzes auf buntem Klebepapier beschriftet, auf einem Plakat
anzubringen.
Vielen machte das
Philosophieren viel Spaß, so dass sie gleich für ein nächstes Mal eigene Themen
auf den Feedback-Bögen angegeben haben. Auch spielerischer haben sich die Kinder
die nächste Begegnung vorgestellt.
Zum zweiten
philosophischen Treffen mit der Klasse 4b, haben Sabrina und ich sehr
selbstkritisch uns vorgenommen, unsere Fehler vom ersten Mal nicht zu
wiederholen und mehr auf die Kinder einzugehen, das heißt weniger
methodisch-didaktisch zu sein.
Weiteren Rückmeldungen der
Kinder folgend, haben wir zu diesem Treffen ein Spiel mitgebracht. Es ist ein
Interaktionsspiel nach Klaus W. Vopel und heißt "Freund und Feind".
Am Ende dieses Treffens
wünschten sich die Kinder, dass wir wieder kommen, um noch über andere Dinge zu
sprechen, wie zum Beispiel Liebe, Glück, Zeit, Sport, Mut, Pech, Alleinsein,
Schicksal, Traurigkeit, Unglück, Welt, Leben, Freude, Zauberei, Groß und Klein.
Wir schrieben diese Themen in „Wölkchen“ auf ein Plakat und ließen 3 Themen, je nach Priorität,
mit Klebepunkten kennzeichnen. Der Erstwunsch bekam 3 Klebepunkte, der
Zweitwunsch zwei und der Drittwunsch einen. Letzten Endes stimmten die meisten
Herzen für die Liebe (mit 23 Klebepunkten).
Beim nächsten Treffen
geht es um
ein Ruf der Kinder über die Liebe zu sprechen.
Zum dritten
philosophischen Treffen mit der Klasse 4b, brachten wir, weil wir auch aus
unserer letzten Erfahrung gelernt haben, keine Technik und keine großen
Vorbereitungen mit, um alles auf uns zukommen zu lassen. Der Termin lag zwei
Tage vor Sommerferienbeginn, so dass wir im Vorfeld schon eine wilde Stimmung
ahnen konnten. Also kamen wir mit offenen Herzen wieder in die Klasse 4b, um sie
zu Fragen, was sie denn zu Liebe wissen wollen, um sie selbst die Antworten
suchen und finden zu lassen.
Der Ablauf besteht hauptsächlich aus zwei Teilen:
1. Teil: Jeder malte zum
Einstieg ein Herz an die Tafel und gab danach die Kreide an den nächsten im Raum
weiter. Es entstanden 23 Herzen an der Tafel, ein schönes Hintergrundbild.
Der erste Auftrag an die
Kinder war, ihre Frage über Liebe, ihre Geschichte, ihr Bild zu malen, zu
schauspielern oder sonst wie auszudrücken. In 25 Minuten entstanden sehr schöne
Bilder zum Thema, eine wahre Liebesgeschichte, wie auch ein sehr schönes Spiel,
was sich als ein wunderbares Interaktionsspiel eignet, von Kindern für Kinder
erfunden.
Fragen zum Thema "Liebe":
„Wie fühlt man sich, wenn man
verliebt ist?“,
„In wie viele Menschen
kann man sich gleichzeitig verlieben?“,
„Ab wie vielen Jahren darf
man sich verlieben?“,
„Kann man sich auch in
Tiere verlieben?“,
„Warum verliebt man
sich?“,
„Kann man auch mehr als
Menschen lieben? Zum Beispiel die Sonne?“
Bilder zum Thema "Liebe":
Spiel zum Thema "Liebe":
2. Teil:
Zum Schluss gab es eine
Überraschung aus einem Säckchen mit 20 handgeschnitzten Holzherzchen, die eine
Brandmalung „Liebe…“ auf der einen Seite und „Licht“ auf der anderen Seite,
„Liebe..“ auf der einen, „Wahrheit“, „Selbstliebe“, „Freiheit“, „Einheit“,
„Schönheit“, „Wärme“, „Zuneigung“, „Aufmerksamkeit“, usw. Kinder und Lehrerin
durften ein mit Liebe beschriftetes, gelochtes und mit einem Seiden- oder
Lederband versehenes Herz aus dem Liebessäckchen (an)ziehen. Das erste gezogene
Liebesherz leuchtete „Licht“, das zuletzt übrig gebliebene rief „Selbstliebe“.
_________________________
Übersicht der Vorträge im vorbereitenden Kolloquium
Bericht in "Campus und Karriere", Deutschlandfunk
Literatur:
Vopel, Klaus W. (2004): "Interaktionsspiele für Kinder. Affektives Lernen für 8-
bis 12jährige. Teil 2"
Zoller, Eva (1996): "Die kleinen Philosophen. Vom Umgang mit
<<schwierigen>>
Kinderfragen"
Verfasst von Ilknur Özen
und Sabrina Geibel
|